• ISA IM TALK MIT SCHAUSPIELER UND YOGI RALF BAUER
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ISA IM TALK MIT SCHAUSPIELER UND YOGI RALF BAUER

LU JONG - DIE ÄLTESTE TIBETISCHE BEWEGUNGSLEHRE DER MÖNCHE

Im Rahmen des Lu Jong Retreats im Alpenresort Schwarz konnte Ralf Bauer einen Teil seiner vieljährigen Yoga-Erfahrung und sein Wissen über die tibetische Ernährungslehre weitergeben. Bei regelmäßigem Praktizieren agieren Körper und Geist nach und nach als Einheit. Lu Jong ist eine jahrtausendealte Bewegungslehre aus den Klöstern Tibets, die auf eine sanfte, dennoch effektive Weise zur Stärkung der Gesundheit und des Wohlbefindens beiträgt. Diese Yoga Form ist leicht erlernbar und geeignet für Menschen aller Alters- und Fitnessklassen. 

DEN KÖRPER GESUND ERHALTEN STATT KRANKHEIT HEILEN ZU MÜSSEN

Ralf Bauer verkörpert eine außerordentliche Verbundenheit zur eigenen Mitte. Ich freute mich darauf, mehr über den sympathischen Allrounder zu erfahren. 

Isa Wie sind Sie zum Yoga gekommen und wann haben Sie gespürt, dass Yoga noch eine wichtige Rolle in Ihrem Leben spielen wird?

Ralf Bauer Meine erste Begegnung erfolgte in Thailand durch einen Tai Chi Lehrer, im Jahr 1998. Eigentlich komme ich aus dem Kampfsport - Tai Chi ist die langsamste Form des Kung Fus. Dieser Tai Chi Lehrer hat morgens vor dem Unterricht gesagt: "First of all we do meditation, then we do Yoga and then we do Tai Chi." Daraufhin habe ich gesagt: "Meditation und Tai Chi ist ok, aber Yoga ist nicht wirklich das, was mich interessiert." Seine Antwort darauf war:"First of all we do meditation, then we do Yoga and then we do Tai Chi." Also war ich quasi gezwungen. Danach habe ich das Yoga wieder losgelassen. Ich habe immer etwas gesucht, was mich unabhängig macht von Raum, Zeit, Lehrer und Ort. Bei Tai Chi braucht man einen guten Lehrer und viel Platz. Irgendwann war ich bei einem Dreh auf Tahiti. Dort war eine deutsche Yoga Lehrerin. Sie hat die unterschiedlichen Yoga Positionen und die Ein- und Ausatmung - das ist das Essenziellste beim Yoga - ganz einfach, nicht esotherisch abgehoben erklärt. Von da an habe ich jeden Morgen drei Sonnengrüße gemacht, über Wochen hinweg. Langsam habe ich mich gesteigert und durch das Wegbleiben von Symptomen - ich hatte häufig Rückenschmerzen - habe ich gemerkt, wie gut mir Yoga tut. Seitdem bin ich dem Yoga treu geblieben.

Isa Eine gesunde Kost, insbesondere die tibetische Ernährungslehre sind für Sie wichtige Faktoren in Ihrem Leben. Gibt es einfache Tipps, die auch jemand leicht umsetzen kann, der sich noch nicht so intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt hat? 

Ralf Bauer Hier kommen wir zu einem schwierigen Punkt. Körperliche Beschwerden und Einschränkungen haben immer unterschiedliche Ursachen. Im Laufe der Jahre habe ich viele Lehrgänge gemacht und durfte oft dabei sein, wenn tibetische Ärzte Menschen untersucht haben. Wenn die Verstoffwechselung über einen längeren Zeitraum hakt, führt es oft zu Problemen, meistens in den Vitalorganen wie Leber, Niere oder Galle. Lebensmittel, die wir im täglichen Leben zu uns nehmen, nehmen wir manchmal zum falschen Zeitpunkt zu uns. Manchmal wird auch zu viel gegessen, es wird das Falsche gegessen, zu wenig getrunken und oft in einer ungünstigen Konstellation. Als Beispiel ist es nicht ratsam, Kartoffel und Zwiebel gemeinsam zu essen, weil sie eine gute Verdauung verhindern. Was aus dem Boden kommt - wie Kartoffel, Karotten oder Zwiebel - diese Nahrungsmittel sollte man mit Petersilie servieren, weil das wichtig für die Verstoffwechselung ist. Nach dem tibetischen Prinzip sind ausgewählte Kräuter und Gewürze wichtige Zusätze, damit die Nahrung in die jeweiligen Zellen gelangt, wo sie auch hin soll und gut verarbeitet werden kann. So gewinnt der Körper an Energie. Der tibetische Arzt sagt, dass im Westen sehr häufig die Säure - oft herbeigeführt durch rohe Tomaten und der Essig, vor allem am Abend - zu Problemen führt. Wenn man einmal eine Ausnahme macht, ist es natürlich nicht tragisch, es geht um die Regelmäßigkeit. 

Isa Sie arbeiten als Schauspieler - sowohl im Film wie auch im Theater - Sie praktizieren und lehren Yoga, Sie reisen viel und engagieren sich sehr für die Menschen in Nepal. Wie schaffen Sie es, das alles unter einen Hut zu bekommen? 

Ralf Bauer Alles unter einen Hut zu bringen, das geht nur durch Yoga. Damit gelingt es mir, die Ruhe zu bewahren, auch wenn verschiedene Sachen manchmal parallel laufen. Ich versuche immer genau das abzuarbeiten, was direkt vor mir liegt, wenn die Alarmsirenen quasi schon angehen. Mein Beruf ist wie Abiturschreiben. Wenn ich abends auf der Bühne bin und ein Blackout habe, dann kann ich schlecht sagen: "Entschuldigen Sie, ich habe den Text vergessen, weil ich heute so viele Mails beantworten musste." Ich muss mich beim Theaterspielen konzentrieren können, zwei Stunden auf der Bühne brauche ich die Energie von einem halben Tag. Es gibt Momente, wo ich mich in mich zurückziehe, um mich auf die Bühne vorzubereiten und die Konzentration zu halten. Beim Film ist es nicht anders. 

Isa Erzähen Sie uns von Ihrer Entwicklungshilfe und von der Unterstützung für "Anker für Nepal." 

Ralf Bauer Unabhängig von Tibet habe ich schon immer versucht, Menschen zu helfen, egal in welcher Region auf dieser Welt. Irgendwann kam ein tibetischer Mönch auf mich zu, der mich fragte, ob ich nicht in Indien für zwei tibetische Flüchtlingslager - die in einem unwirschen Grenzgebiet zu China liegen - helfen würde, Geld zu sammeln. Das habe ich dann angefangen. Als vor drei Jahren das große Erdbeben war, ist eine Frau aus Hannover auf die Idee gekommen, Geld zu sammeln, indem sie mit dem Erlös von Anker-Armbändern in ihren Geschäften die Nepalis unterstützt. Ich habe keine eigene Organisation, da ich immer versucht habe, in Kommunikation mit unterschiedlichen Leuten für die Tibeter zu sammeln. Anker für Nepal ist ein großer Wagon dieses fahrenden Zuges, wodurch viel Geld zusammengekommen ist. Alles geschah in Zusammenarbeit mit einem tibetischen Mönch und der tibetischen Regierung, damit die Unterstützung auch sinnbringend eingesetzt werden konnte. Zum Beispiel haben wir eine Schule gebaut sowie 22 Häuser für Familien wieder aufgebaut und Solarzellen für die Dächer organisiert. Auch tausende Kilos von Reis und Nahrungsmitteln haben wir nach Nepal gebracht. 

Isa Sie scheinen sehr ausgeglichen zu sein. Reißt Ihnen auch einmal der Geduldsfaden?

Ralf Bauer Auf der Autobahn. Bei uns in Deutschland gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Es scheint verloren zu gehen, dass die Leute den Blinker setzen, sie ziehen einfach rüber. Es ist eine Art praktizierter Egoismus, so etwas macht mich wahnsinnig. 

Isa Was ist das schönste Geschenk, das Sie jemals bekommen haben?

Ralf Bauer Wahrscheinlich ist es das Leben, das Leben an sich. Dass ich als Mensch auf die Welt gekommen bin, um Sachen bewusst umzusetzen. Das unterscheidet uns von den Tieren, dass wir selbstbestimmt zum großen Teil entscheiden können. Gehe ich jetzt an die frische Luft? Dass ich einen Kühlschrank habe und diesen selbst aufmachen kann, nicht wie ein Hund, der warten muss, bis das Frauchen oder Herrchen kommt. Dass die meisten Menschen in der heutigen Zeit im deutschsprachigen Raum ein Dach über den Kopf haben, dass ich das auch habe, das ist ein riesen Geschenk. 

Isa Haben Sie ein Lieblingsbuch bzw. einen Lieblingsautor oder Dichter?

Ralf Bauer Da gibt es ganz viele. Ich mag Gedichte von Rainer Maria Rilke, Christian Morgenstern oder Heinz Erhardt. Ich mag aber auch Don Winslow, ein ganz toller Autor. Ich lese wahnsinnig viel, gerne auch Krimis. Am liebsten mag ich es, wenn man parallel dazu etwas über Land und Leute erfährt. Es können auch Biographien sein und manchmal Theaterstücke, wie zum Beispiel "Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer.  

Isa Ein Weltenbummler wie Sie kommt viel herum. Was war der seltsamste Ort, an dem Sie jemals aufgewacht sind? 

Ralf Bauer Ich hab sehr viele wunderschöne Plätze erlebt, weniger skurrile Plätze, doch ein Ort ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Ich war einmal in Peru mit dem Rucksack unterwegs. Dort gibt es die berühmten Linien von Nazca, wo die Inkas im Sandboden Figuren hineingezeichnet haben, um mit den Göttern zu kommunizieren. Als ich in Nazca vom Bus ausgestiegen war, ging ich in das erstbeste Hotel, es war sehr billig. Die Zimmer waren ehemalige Gefängniszellen, auch die Sanitäranlagen waren ein Desaster. Es war unheimlich dort und als ich morgens aufgewacht bin, bin ich sofort raus aus dem Hotel. Es war ein ganz unangenehmer Ort. 

Isa Was oder wer bringt sie zum Lachen?

Ralf Bauer Meistens Kinder. Was Kinder antworten, wie sie mit Sachen umgehen, in ihrer Einfachheit. Sie sind nicht überlegend, sondern direkt.

Isa Worauf freuen Sie sich in der Zukunft? Haben Sie ein besonderes Ziel, das Sie ansteuern, oder lassen Sie lieber alles auf sich zukommen?

Ralf Bauer Beides. Ich freue mich - das hab ich immer schon gehabt - wenn ich an wunderschöne Plätze komme, wo die Natur hervortritt, wo wir Menschen noch nicht so viel Hand angelegt haben...das mag ich sehr gerne. 

Wieder einmal dürfen wir uns mit Freude und Dankbarkeit darauf besinnen, welch interessante Persönlichkeiten mit auf unsere Reise gehen. Ralf Bauer wird uns voraussichtlich auch im nächsten Jahr für ein Yoga Retret besuchen. Sobald wir den genauen Termin und das Programm fixiert haben, lassen wir es Euch wissen.  

Für heute grüße ich Euch auf Tibetisch und wünsche herzlichst Glück und Segen. 

Tashi Delek,
Eure Isabel